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Wagners »Ring«

Zum Jubiläum der Uraufführung vor 150 Jahren

Vor knapp drei Wochen war ich in Bayreuth und habe mir dort die »Götterdämmerung« angehört. Die Wagner-Festspiele haben zwar heuer noch gar nicht angefangen. Aber Wagners Musik darf in Bayreuth auch außerhalb des Festspielhauses gespielt werden. Und so fand die konzertante Aufführung der »Götterdämmerung« vor einigen Wochen nicht auf dem grünen Hügel, sondern im Friedrichsforum statt.

Kent Nagano dirigierte ein großes Orchester, das sich aus Musiker:innen des Concerto Köln und des Dresdner Festspielorchesters zusammensetzte; dazu kam eine Reihe von Sängerinnen und Sängern, außerdem der Chor.

Die Tournee mit Aufführungen der »Götterdämmerung«, u. a. mit Station in Bayreuth, bildet den Abschluss eines mehrjährigen Projekts, in dem unter Naganos Leitung nach und nach Wagners gesamter »Ring des Nibelungen« auf die Bühne kam.

Der Clou dabei: Das Projekt, das im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele beheimatet ist, wird wissenschaftlich begleitet und speist sich aus einem gemeinsamen Interesse an der historischen Aufführungspraxis; am deutlichsten zu sehen war das in Bayreuth vor einigen Wochen an den Stierhörnern, die man ansonsten nicht im Konzertsaal erlebt. Zu hören war der ungewöhnliche Klang natürlich auch.

Einsteigen mit der »Götterdämmerung«

Wer grundsätzlich weiß, worum es im »Ring des Nibelungen« geht, und wer als Zuhörer, wie ich, nach den Aufführungen des »Rheingolds», der »Walküre« und des »Siegfried«, erst mit der »Götterdämmerung« in dieses Projekt einsteigt, ist nicht spät dran.

Die »Götterdämmerung« ist nämlich voller Rückblenden, an denen man sich entlanghangeln kann, um an ihnen nach und nach den vorangegangenen Handlungsverlauf zu rekapitulieren.

Das beginnt schon im Vorspiel auf dem Walkürenfelsen, wenn die drei Nornen sich und das Publikum ausschnittweise daran erinnern, was bisher geschah:

Sie singen über Wotan, der sich einen Ast von der Welt-Esche genommen habe, um den Schaft seines Speers daraus zu schnitzen. Weiter geht es mit der Verträge Runen, die Wotan in diesen Schaft schnitt. Es geht um den Moment, in dem der Speer im Kampf zersprang, und später darum, wie die Welt-Esche gefällt wird.

Ihr Holz liegt der Prophezeiung der Nornen zufolge um die Burg Walhall. Danach singt die dritte Norn:

»Brennt das Holz
heilig brünstig und hell,
sengt die Gluth
sehrend den glänzenden Saal:
der ewigen Götter Ende
dämmert ewig da auf.«

So also erklärt sich der Titel der »Götterdämmerung«. Mit dieser Passage gleich zu Beginn des Schlussteils von Wagners »Ring des Nibelungen« deutet sich an, was den Göttern blühen könnte.

Ewig, ewig

Interessant ist die kleine Wortwiederholung: Durch das doppelte ewig prophezeien die Nornen, wenn man so will, ein Zu-Ende-Gehen der Götterherrschaft in Permanenz, einen Übergang, der als solcher von Dauer ist.

Dadurch bringen sie die mythische Dimension des »Rings« zum Ausdruck: Gehaltlich weist dieses Musikdrama damit nicht nur weit über seine Entstehungszeit hinaus. Wenn man es in seinem mythischen Anspruch ernstnimmt, hieße das, dass es unplausibel wird, anzunehmen, es gäbe eine Zeit nach dem Ende der Götter, wofür auch immer Wagners Götter stehen und auf welche Gegenwart auch immer man die Herrschaft solcher Götter beziehen will; auf eine Ordnung folgt eine andere – aber welche, wie, und heißt aufeinander folgen zugleich einander ersetzen?

Wagners »Ring des Nibelungen« wurde im Jahr 1876 im Rahmen der Bayreuther Festspiele erstmals aufgeführt. Wer mag, kann also 2026 das 150-jährige Jubiläum dieser Uraufführung feiern.

Portraitfotographie Richard Wagners
Richard Wagner im Jahr 1871, fotografiert von Franz Hanfstaengl (Public domain, via Wikimedia Commons)

Feiern oder nicht, ich habe Lust, eine kleine Wagner-Reihe auf diesem Blog zu starten.

Ich werde von vorn anfangen.

Anfangen mit dem »Rheingold«

Im nächsten Blogtext schreibe ich über Wagners »Rheingold«.

Hier gibt es schon einmal das Vorspiel. Es ist eine der elaboriertesten Wassermusiken der Musikgeschichte – dabei tut Wagner kaum mehr als über einen Es-Dur-Akkord zu phantasieren:

Simon Rattle dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: auf den Pulten liegt das Vorspiel zu Wagners »Rheingold«.

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